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Hoffen auf das nächste Jahr
Die Diskussion wurde vor fast einem Jahr in der Stadtverordnetenversammlung geführt - leidenschaftlich und mit einem Ergebnis: Das Kanzleitor soll 2011 saniert werden. Und eigentlich müsste jetzt das Gerüst stehen, aber die Auflagen der Kommunalaufsicht zum städtischen Haushalt sind streng, die Investitionen - 7,7 Millionen Euro waren vorgesehen - mussten auf 4,48 Millionen Euro reduziert werden. Also wurde gestrichen und geschoben. Die Sanierung des Kanzleitors, die mit 610 000 Euro im Haushalt stand, steht nun erst für das nächste Jahr auf der Agenda.
Derzeit verhüllt eine dunkle Folie - die laut Experten-Meinung auch nur noch ein Jahr zuverlässigen Schutz gewährt - die marode Fassade. Die Rundum-Verschieferung, die etwa 200 Jahre das Gebäude geschützt hatte, wurde im Mai vergangenen Jahres abgenommen, um den Sanierungsbedarf festzustellen. Mehrfach hatte es in das Kanzleitor hineingeregnet.
Ein Gutachten wurde daraufhin erstellt vom Architektenbüro S + P aus Bad Soden, das bereits die Altstadtsanierung betreut hatte. Geeinigt wurde sich auf eine Verschieferung nur an den kaum sichtbaren Wetterseiten und anthrazit-graue Fachwerkbalken mit hellen Wänden an Nord- und Südseite. So würde sich dem Betrachter vom König-Adolf-Platz ein vollendetes Panorama erschließen, und auch von der Schlossgasse aus, wäre das Schmuckfachwerk zu sehen.
Um ein historisches Schmuckstück geht es auch in einem anderen Posten, der ins kommende Jahr geschoben wurde. 110 000 Euro waren für das Backes in Lenzhahn vorgesehen. Dem Heimatverein ist sehr an diesem Stück Dorfgeschichte gelegen, kann aber die notwendige Sanierung, die per Gutachten festgestellt wurde, nicht allein stemmen.
Fast genauso alt wie die Diskussion ums Backes, ist das Vorhaben, in der Richard-Klinger-Straße die Kanalisation zu erneuern und anschließend die Fahrbahndecke zu sanieren. Auch die dafür ursprünglich vorgesehenen 100 000 Euro wurden geschoben. Die Liste der Einsparungen für 2011, die die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hat, ist lang. Auch auf Bolzplätze und Inventar für Kindertagesstätten muss noch etwas gewartet werden.
Der Nachtragshaushalt, der diese Woche im Magistrat diskutiert wurde und nun zur Beratung in die Ausschüsse und die Stadtverordnetenversammlung kommt, ist von einem Defizit in Höhe von neun Millionen auf sechs Millionen geschrumpft. „Wir haben drei Millionen rausgequetscht“, sagt Bürgermeister Krum. „Mit einer solchen reaktiven und restriktiven Haushaltspolitik ist allerdings keine Entwicklung mehr möglich. Das ist kontraproduktiv.“
Die Hebesatz-Erhöhung der Grundsteuer B wertet die Kommunalaufsicht als „längst überfälligen Schritt“, der aber nicht ausreiche, um auf eine Erhebung von Straßenbeiträgen zu verzichten. Die Stadtverordnetenversammlung wird also aufgefordert, beim nächsten Haushalt eine Straßenbeitragssatzung zu beschließen. „Das wird - zu Recht - einen Aufschrei unter den Bürgern geben“, ist Krum überzeugt.
Von: Ingrid Nicolai
Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/idstein/11140731.htm
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