Schönheit doch noch gerettet

Kaisergemach im Idsteiner Schloss

Strahlende Gesichter im Schloss: Es sei das insgesamt 11. Gemälde, das restauriert wurde, sagte Bürgermeister Gerhard Krum im Rahmen der Spendenaktion „Gefährdete Schönheit“ mit Präsentation der von Hans-Michael Hangleiter restaurierten Deckengemälde im Kaisergemach. Nach der ausführlichen ortsgeschichtlichen Tagung „Das Idsteiner Schloss und seine Bilderdecken“ mit anschließender Führung wurde damit die groteske Malerei des Mainzer Künstlers Valentin David Albrecht offiziell übergeben und das Kaisergemach wieder zur Nutzung freigegeben.

Es gebe kaum noch erhaltene Groteskendecken, sagte Krum, und man sei stolz darauf, dass die Stadt mit Hilfe des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen sowie privaten Bürgerengagements die entsprechende Finanzierung habe stemmen können. Die drei Parteien hätten jeweils ein Drittel, nämlich etwa 80 000 Euro, der entsprechenden Gesamtinvestition von rund einer Viertelmillion Euro beigetragen.

Der Erfolg der Aktion, die durch Hausschwammbefall sowie einen vorausgegangenen Brand veranlasst worden sei, habe nur durch die enge Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege realisiert werden können; ein „unsterbliches Verdienst“ habe sich dabei außerdem seit den 90er Jahren die ehemalige Stadtarchivarin Christel Lentz durch die Sicherstellung von Kunstobjekten erworben.

Wenn man den Wert berücksichtige, der theoretisch auf dem Kunstmarkt mit den Gemälden zu erzielen sei, müsse diese Investition als absolut gerechtfertigt erachtet werden, sagte Professor Dr. Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Darüber hinaus habe sich der Maler an französischen Werken wie etwa im Schloss Belvedere orientiert und die Motive neu zusammengesetzt. „Wir spielen also in einer hohen Liga“, bekräftigte er. Die dazu nötigen Anstrengungen waren allerdings nicht nur finanzieller Art, denn die Schule hat die Renovierung „erdulden“ müssen, die mit erheblichem organisatorischem Aufwand in Form von Ausräumen, Um- und Auslagern von Material und Klassen verbunden war; dieser wurde ganz überwiegend von Joachim Dietz, dem stellvertretenden Schulleiter, bewältigt. So fand und findet inzwischen wieder links und rechts von diesem Raum Musikunterricht statt, was in der Bauzeit jedoch nicht mehr möglich war.

„Gefühlten zehn Jahren“ Renovierungsdauer (tatsächlich waren es vier), wie Ina Ofenloch, Schulleiterin der Pestalozzischule sagte, stehe jedoch die Tatsache gegenüber, dass in der Schülerschaft durchaus das Bewusstsein für das Privileg herrsche, sich in einem exklusiven Schulgebäude aufzuhalten, denn es komme kaum zu Vandalismus, und der Raum verdiene es, nicht nur zu schulischen Zwecken präsentiert zu werden, denn es handele sich um ein kunsthistorisches Kleinod, fügte sie hinzu. Man werde nun zunächst Ideen zur künftigen Verwendung des Raumes zusammentragen.

Dieser sei ursprünglich adäquat zur Decke gestaltet gewesen, erläuterte Christel Lentz. Der Maler Valentin David Albrecht habe die Gemälde von Juni bis Herbst 1714 fertiggestellt, während parallel die Holzarbeiten beispielsweise an Fenstern und Türen durchgeführt wurden. Die Wände waren mit Samt bespannt und überwiegend in Rot und Gelb gehalten; ein gehimmeltes Prunkbett aus Biebrich sowie ebenfalls samtbespannte Sitzmöbel, sogenannte Portieren, und Keridons, Tischchen mit kleinen Platten zum Aufstellen von Lämpchen, zierten den Raum. Beheizt wurde er durch einen Kamin aus „allergütigstem“ Marmor, der eine Kamintafel umfasste und nach oben in einer Haube endete. Dort, wo sich heute ein weißer Fleck an der Decke befinde, sei unbekannt, wie die betreffende Malerei ausgesehen hat - wahrscheinlich sei an dieser Stelle die Haube herausgebrochen worden, sagte sie, bevor sie anhand von Folien noch einmal den Zustand vor und nach der Restaurierung aufzeigte.

Autor: Marion Diefenbach
Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/untertaunus/idstein/11316265.htm

Tags: 

0 Kommentare

Kommentar hinzufügen

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <p> <br>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
Geben Sie die Zeichen ein, die Sie in diesem Bild sehen. (Überprüfung mittels Audio)
Geben Sie die Zeichen ein, die in den oben gezeigten Bild zusehen sind. Wenn die Zeichen unlesbar sind, senden Sie das Formular ab und ein neues Bild wird generiert. Groß-und Kleinschreibung wird nicht beachtet.
Impressum | © 1999 - 2012 lenzhahn.de.